INTERVIEW mit Matthias Krohn (geschäftsführender Gesellschafter Wucherpfennig & Krohn GmbH)

Er ist Chef des größten Lizenznehmers des Automobilvermieters AVIS und verantwortlich für über 40 Vermietstationen in Deutschland. Eine Branche die hart vom Lockdown getroffen wurde und unfassbare Umsatzeinbrüche zu verzeichnen hat. Matthias Krohn steht in dieser Wirtschaftskrise jedoch wie ein Fels in der Brandung, wenn es darum geht, sicher durch das Tal der Tränen zu kommen. Welche unternehmerischen Maßnahmen der 40-jährige Lübecker getroffen hat und welche Sicht er auf Themen wie Führung, private und wirtschaftliche Werte als auch die Digitalisierung hat, verrät der Vater von zwei Kindern uns im folgenden Interview.

 

1. Lass uns gleich zum Anfang das leidige Thema der Pandemie einmal aus Deiner Sicht beleuchten. Als Automobilvermieter seid Ihr massiv von den Auswirkungen des Lock-Downs betroffen gewesen. Wie sehr hat Dich / Euch der virale Rundumschlag getroffen und wie schaut Dein Plan für die nahe Zukunft aus unternehmerischer Sicht aus?

Die Auswirkungen der, durch die Politik, veranlassten Maßnahmen sind ohne Beispiel in unserer über hundertjährigen Unternehmensgeschichte. Der Absatz unserer Dienstleitungen ist beginnend ab dem 13. März schlagartig um ca. 70% eingebrochen und erholt sich seit erst seit Ende April leicht.

Da wir stets umsichtig die Eigenkapitalstruktur unseres Unternehmens gepflegt haben, sind wir nicht nervös. Wir dürfen also davon ausgehen, dieser außergewöhnlichen Belastung standzuhalten. Die unweigerlich anfallenden Verluste werden uns schmerzlich treffen aber nicht vollständig aus der Bahn werfen. Wir haben die dafür notwendigen Planungen in kurzer Zeit erstellen können und notwendige und angemessene Maßnahmen umgehend eingeleitet. Das gesamte Unternehmen bereitet sich seitdem darauf vor, für unsere Kunden sowohl in Qualität und Quantität lieferfähig zu sein, wenn sie uns wieder brauchen. Zugegebenermaßen ist das nicht ganz einfach für alle Beteiligten einerseits der Krise Rechnung zu tragen und andererseits zeitgleich voller Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Dank unserer verständigen und motivierten Mitarbeiter und Führungsmannschaft wird es uns jedoch gelingen.

Und dann wird es in unserer Lagebeurteilung wahrscheinlich auch die eine oder andere Chance am Markt geben, auf die wir uns ebenfalls vorbereiten, ich aber hier nicht näher eingehen möchte.

2. Was glaubst Du, wird sich nach der Pandemie in Deutschland verändern? Werden Unternehmen vorsichtiger, wenn es um Wachstum und Expansion geht oder wird die Zeit nach der Zeit genauso ablaufen, wie die Zeit vor der Zeit?

Der Mensch an sich ist Weltmeister der Verdrängung. Aufgrund der längeren Dauer der Maßnahmen wird der Prozess der Verdrängung leider mehr Zeit in Anspruch nehmen, als es bei einem punktuellen Ereignis der Fall gewesen wäre. Ich gehe jedoch fest davon aus, dass nach gegebener Zeit in großen Teilen die Menschen sich wieder so verhalten werden wie es auch vor März 2020 war.

Davon ausgehend sehe ich auch keine nachhaltige gesteigerte Vorsicht bei den Unternehmen. Die geringe Häufigkeit der Ereignisse wie COVID-19 spricht auch rein wirtschaftlich gegen eine generelle Änderung der Handlungsweisen und der damit verbundenen Kosten. Seien es nun Kosten, die durch entgangene Chancen oder direkte getroffenen Vorsorgen entstehen - es werden nur sehr wenige bereit sein, dauerhaft zu verzichten als Vorbereitung für den nur mit geringer Wahrscheinlichkeit eintretenden Moment einer neuen Krise.

Was allerdings anders sein wird, ist der Umgang mit und in der Krise. Ich habe schon jetzt den Eindruck eines sehr professionellen Umgangs mit den Auswirkungen bei einem Großteil der Betroffenen in Politik, Wirtschaft und der restlichen Gesellschaft. Bei der nächsten Krise wird dies meines Erachtens nach noch besser sein.


3. Das eine ist die wirtschaftliche Betrachtungsweise dieses Geschehens. Du bist allerdings auch Vater von zwei Kindern. Was habt Ihr unternommen, um Euch als Familie nicht dem drohenden Lagerkoller hinzugeben?

Woher stammt Deine Annahme wir hätten das geschafft? Spaß beiseite, zunächst dürfen wir froh sein zwei Kinder mit einem Altersunterschied zu haben, der das gemeinsame Spielen gut möglich macht. Selbstverständlich ist das nicht immer die pure Harmonie aber doch durchaus eine komfortable Situation. Darüber hinaus darf ich sehr froh darüber sein, die in meinen Augen beste Frau der Welt zu haben. Sie schafft es unter Aufbietung aller Kräfte den Kindern bzw. der ganzen Familie eine gewisse Normalität anzubieten inkl. Homeschooling. Dadurch entschärft sich vieles. Grundsätzlich halten wir es für sehr wichtig und erfolgreich, die täglichen Routinen vom Aufstehen bis ins Bett gehen weitestgehend gleichbleibend für alle aufrecht zu erhalten. Dieses gelingt uns gut. Aber auch bei uns haben die Kinder zugegebenermaßen zurzeit gelegentlich die Chance digitale Medien mehr zu nutzen, als es bisher der Fall. 

So sind wir bisher ganz gut um den Lagerkoller herum gekommen, auch wenn es sicherlich Momente gibt, in denen wir nah dran waren.


4. Welche Rolle spielt die Digitalisierung für Dich als Unternehmer und als Privatmensch? Fluch oder Segen?

Die Digitalisierung ist in beiden Bereichen ein Segen, wenn die Dinge digitalisiert werden, die damit einen tatsächlichen Mehrwert bieten. In den nicht seltenen Fällen, wo die Digitalisierung zum Selbstzweck wird, ist es mir ein Graus. Nicht jeder Knopf und Schalter muss in einer App oder einem Touchscreen verschwinden.


5. Du bist relativ jung in unternehmerische Verantwortung genommen worden, in dem Du das Geschäft Deines Vaters hast fortführen müssen. Wie hast Du Dich in den Jahren als Chef verändert und was bedeutet für Dich in diesem Zusammenhang das Thema „Führung“?

Führung bedeutet für mich als aller erstes Vertrauen. Ohne Vertrauen und den Glauben an die Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf sowie Ihre individuellen Fähigkeiten, ist Führung unmöglich.

Als Chef habe ich mich insofern verändert, als das sich mein Tätigkeitsschwerpunkt über die Zeit hin deutlich verlagert hat. Aus dem Bereich der Ausführungstätigkeiten, über direkte Anordnungen und dispositiven Entscheidungen hin, liegt mein Schwerpunkt heute im Bereich der strategischen Entscheidungen. Dort biete ich für das Unternehmen auch den höchsten Mehrwert. Ehrlicherweise gelingt es mir aber nicht immer nur strategisch unterwegs zu sein. Ich arbeite mich leider zu gerne auch gelegentlich in die kleinsten Details ein und habe Freude an Entscheidungen, wo ich eigentlich delegieren hätte können und sollen. Vermutlich liegt es daran, dass die Erfolge von strategischen Entscheidungen sich erst über die Zeit zeigen und ich als Motivation ab und zu zusätzlich auch mal einen Quick-Win brauche. Unsere Mannschaft und ich haben einen guten Weg gefunden damit umzugehen und insofern ist das zum Glück kein Problem.


6. Führung findet ja nicht nur in der Firma ihre Berechtigung sondern auch Kinder brauchen Anleitung. Welche Werte gibst Du Ihnen mit auf den Weg beim Großwerden und was hat sich, Deiner Meinung nach, zu Deiner eigenen Kindheit verändert?

Werte sind sehr wichtig, ermöglichen sie sich doch Halt zu geben wo ggf. die Orientierung verloren gegangen ist.

Meine Kinder können es vermutlich schon jetzt nicht mehr hören aber es gilt: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ sowie „Worte vergehen und Taten bestehen“ sind Grundsätze nach denen wir uns richten.

Darüber hinaus versuchen wir natürlich eine Reihe von Werten weiterzugeben. Exemplarisch seien genannt: Beharrlichkeit, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Integrität, Mut, Optimismus, Agilität und Selbstvertrauen.

Ich habe das unglaubliche Glück, dass ich keine negativen Erinnerungen an meine Kindheit habe. Ich habe nichts, von dem ich sage es müsste ganz anders gemacht werden, im Vergleich zu dem, was meine Eltern gemacht haben.

Es hat sich grundsätzlich nicht viel verändert im Vergleich zu meiner Kindheit. Die Dinge sind zwar anders aber im Gesamtkontext doch auch wieder sehr ähnlich.


7. Alle reden von künstlicher Intelligenz, Digitalisierung, Big Data & Co. Beschreitet Ihr, als Unternehmen, diesen Epochenwandel sicher und mit klarem Ziel vor Augen oder gibt es den einen oder anderen Stolperstein, den es aus dem Weg zu räumen gilt?

Unser Geschäft benötigt mehr Digitalisierung und Big Data, als man gemeinhin annehmen würde. Wir beschäftigen uns schon relativ lange mit den Möglichkeiten und wenden schon viele davon konkret an. Insofern haben wir ein klares Ziel vor Augen und handeln entsprechend.

Als Stolperstein sehe ich die benötigten Kompetenzen in diesen Bereichen, die auch kleine und mittlere Unternehmen vorhalten müssten, ohne jedoch die Mittel dadurch ausreichend generieren zu können. Hier sind große Unternehmen bzw. die multinationalen Konzerne mit einem veritablen Wettbewerbsvorteil ausgerüstet, den wir nur schwer und mit Abstrichen kompensieren können.


8. Wo siehst Du die größte Diskrepanz im Duell menschliche gegen künstliche Intelligenz?

Bei der Wirtschaftlichkeit. Rein aus Effizienzgesichtspunkten ist der Mensch unschlagbar in seiner Leistungsfähigkeit mit seiner Möglichkeit, komplexe Zusammenhänge schnell zu beurteilen und häufig richtige Entscheidungen zu treffen. Und dies alles bei einem äußert geringen Ressourcen- bzw. Energieeinsatz. Intuition sehe ich also als größten Unterschied an.

9. E-Mobilität ist ebenfalls ein prägender Begriff unserer Zeit. Wie „E-Mobil“ seid Ihr als Autovermieter und wo geht die Reise im Thema der Mobilität für uns alle hin?

Wir hatten den bzw. einen der ersten BMW i3 bei uns in der Flotte und haben diesen zunächst exklusiv in Hamburg angeboten. Die daraus gewonnen Erkenntnisse gelten bis heute und lauten wie folgt:

Es ist den Menschen egal, ob ein Verbrenner oder Elektromotor das Fahrzeug antreibt. Einzig das Versprechen des Automobils, die individuelle Freiheit mehr oder weniger, zu jeder Zeit an jeden Ort, ohne Verzögerungen, ohne Vorkehrungen treffen zu müssen fahren zu können, muss eingehalten werden. Dies können die mir bekannten Elektroautos und die dazugehörige Ladeinfrastruktur nicht. Damit wird das Versprechen nicht eingehalten. Die Nachfrage nach Elektroautos ist bei uns entsprechend nicht vorhanden.

Ausnahmen sind bestimmte Nischen und Interessenlagen, aber auch dies nur in einem äußerst geringen Umfang.

Wenn zukünftig auch das Elektroauto das Versprechen einhalten kann, werden wir eine deutliche höhere Nachfrage erleben und wir bleiben wachsam, um diesen Moment nicht zu verpassen.

10. Die letzte Frage, bevor wir Dich wieder aus dem Interview entlassen. Was macht Matthias Krohn als allererstes, wenn die Ausgangsbeschränkungen aufgehoben wurden?

Mit seiner Familie in unserem Lieblingsrestaurant ausgiebig Essen gehen. Darauf freuen wir uns schon sehr.

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