Interview mit Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin und DHB-Vizepräsident

Auch Sportvereine sind Unternehmen, die den maximalen Erfolg anstreben und dafür die besten „Mitarbeiter“ suchen, sowohl für das Spielfeld als auch für das Drumherum. Bob Hanning ist einer der schillerndsten Vertreter, nicht nur aufgrund seiner extravaganten Hemden. Er steht für hervorragende Jugendarbeit und hat diverse später erfolgreiche Spieler entdeckt. Außerdem hat er als Manager die Füchse Berlin zu einem internationalen Top-Club geformt und auch der Nationalmannschaft als DHB-Vize zu neuer Stärke verholfen.

Wir freuen uns, dass Bob sich in seinen prallgefüllten Terminkalender einen Gesprächstermin mit uns eingetragen hat und wünschen viel Spaß beim Lesen:

Fangen wir mit etwas Aktuellem an: Die Handball-WM im eigenen Lande ist gut drei Monate her – spürt man noch etwas von der Euphorie, die das Land vom 10. – 27.01.2019 nahezu überschüttet hat?

Auf jeden Fall. Man spürt den Zulauf in den Vereinen. Der HVB und die Füchse haben kürzlich zum Tag des Kinderhandballs ausgerufen und wurden mit 1300 Kids überrannt. Zudem ist das mediale Interesse an unserer Sportart extrem gestiegen.

Mit etwas Abstand zum Erlebten, wie schaut Dein ganz persönliches Resümee der WM aus?

Wir konnten mit dem Gezeigten zufrieden sein. Wir haben eine Einheit von Mannschaft und Trainer gesehen. Dadurch konnten wir die Begeisterung bis in die Wohnzimmer tragen. Selbst Kanzlerin Angela Merkel war davon so angetan, dass sie uns ins Kanzleramt eingeladen hat. Das war im Übrigen ein beeindruckendes Erlebnis.

Du arbeitest seit Jahren in einer Doppelfunktion, genau genommen sogar in einer Dreifachfunktion. Neben deinem Job als Geschäftsführer der Füchse Berlin bist Du Vizepräsident des Deutschen Handballbundes und zudem noch Trainer der A-Jugend der Füchse. Gibt es für Dich eigentlich Momente der Ruhe und wenn ja, wie sehen die aus?

Für mich ist die Arbeit mit dem Nachwuchs und die Entwicklung von Jugendnationalspielern mit ganzheitlichem Ansatz absolute Entspannung. Aufgrund dessen, dass ich viele Menschen um mich herumhabe, die in ihren Bereichen besser sind als ich, wird mir viel abgenommen. Zudem habe ich auch an meiner täglichen Arbeit einfach sehr viel Freude. Ansonsten ein paar Tage Sonne und es bleibt auch noch ein paar Tage Zeit für Kultur.

© Füchse Berlin

Lass uns über den Nachwuchs sprechen! Die Digitalisierung hat die Wirtschaft vollumfänglich im Griff, es gibt nahezu kein anderes Thema mehr. Aber auch bei den Jugendlichen sind Instagram, Facebook & Co. ein fester Bestandteil im Alltag. Spürst Du eine Veränderung im Denken und Handeln der jungen Menschen, gerade im Vergleich zu Deiner eigenen Jugend?

Natürlich. Wir waren damals ja doch noch sehr analog unterwegs.

Gibt es etwas, was Du der kommenden Generationen unbedingt mit auf den Weg geben möchtest?

Wir versuchen bei den Füchsen immer eine ganzheitliche Ausbildung zu gewährleisten. Dazu gehört zum Beispiel auch die Arbeit bei der städtischen Müllabfuhr. Außerdem gibt es Benimmkurse für unsere Jugendspieler. Die Vermittlung von Werten in der Gesellschaft ist zwingend erforderlich. Nicht die Jugendlichen sind an Problemen schuld, sondern die die sie erziehen.

Gerne wird gesagt, dass die Wirtschaft etwas vom Sport lernen kann. Eine Vielzahl von ehemaligen Profisportlern ist heutzutage unterwegs und hält Key-Notes und Motivationsvorträge. Teilst Du den Gedanken und wie schaut Deine Sicht auf dieses Thema aus?

Es gibt viele Parallelen, die sich mit der Führung von Mitarbeitern decken.

Christian Streich, Trainer vom Fussball-Erstligisten SC Freiburg, hat ganz aktuell in einem SKY-Interview gesagt, dass wir uns nicht immer darüber aufregen sollen, dass die Jugend heutzutage verwöhnt sei, denn es ist doch schließlich die Generation der Erwachsenen, die den Kindern das Smartphone und das teure Paar Turnschuhe erst ermöglicht. Teilst Du diese Meinung oder gibt es in den Themen Disziplin, Wertschätzung und Demut schon Unterschiede in den jeweiligen Generationen?

Das erschließt sich aus den von mir bereits oben genannten Antworten. Über Vorbild führen ist ein zu bevorzugender Ansatz.

Viele junge Profisportler blenden den Gedanken aus, dass die Karriere schnell durch eine schwere Verletzung beendet sein kann und man einen „Plan B“ für das berufliche Fortkommen haben muss. Was tut Ihr als Handball-Erstligist dafür, dass Eure Spieler genau diesen „Plan B“, für den Fall der Fälle, parat haben?

Wir arbeiten intensiv mit dem Olympiastützpunkt und dem Verband der Laufbahnberatung zusammen. Auch wenn wir das mit Abstand erfolgreichste Nachwuchsleitungszentrum sind, ist es dennoch wichtig sich um jeden individuell zu kümmern, fordern und fördern.

Wie sehen, aus Deiner Sicht heraus, die Herausforderungen der schönen, neuen Welt aus? Haben jüngere Menschen, in Hinblick auf ihre berufliche Entwicklung, heutzutage andere Herausforderungen zu meistern, als die Generationen vorher?

Es gibt heute sicherlich andere Ausbildungszweige als noch vor 30 Jahren. Heute muss man jedoch weniger leisten wie früher und kommt manchmal zu schnell zum Ziel.

In der Nachbetrachtung Deiner ganz eigenen Karriere – gibt es etwas, bei dem Du heutzutage sagst, dass Du dir diese Erfahrung hättest gut ersparen können?

Auch im Berufsleben gibt es, wenn man keine Höhen und Tiefen erlebt, nur Mittalmaß. Negative Erfahrungen stärken Charakter und Geist und führen oftmals zu einer neuen Fokussierung.

Lieber Bob, vielen Dank für Deine Zeit. Wir wünschen Dir sportlich und beruflich weiterhin maximalen Erfolg!

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